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Alnatura wächst anders

Aktualisiert: 14. Nov.

Auch 35 Jahre nach der Eröffnung des ersten Alnatura Super Natur Marktes in Mannheim, ist das deutsche Bio-Unternehmen ausgesprochen rege. Neueröffnungen, Lieferservice, Stiftungsgründung und nicht zu vergessen, neue Handelspartnern im In- und Ausland. Letzterer Aspekt wird in der Kommunikation und auf der jährlichen Pressekonferenz zwar erwähnt, verdient aber einmal mehr Aufmerksamkeit. Denn dieses Geschäftsfeld trägt immerhin circa die Hälfte zum Umsatz bei und dürfte ein nicht unerheblicher Faktor im Alnatura-Konzept sein. Außerdem verdient die Gründung einer Doppelstiftung Beachtung. Der Claim „Sinnvoll für Mensch und Erde“ soll laut Gründer Götz Rehn auch in 100 Jahren noch zutreffend sein. Gespiegelt werden die diversen Initiativen des Unternehmens im 5. Nachhaltigkeitsbericht.

Im Zeichen der Nachhaltigkeit: Die 17 UN-Nachhaltigkeitziele sind auf dem Alnatura-Campus und im Unternehmen fest verankert.


Der Durchschnittsbon steigt wieder


Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH kann sich - bei schwieriger Markt- und Wirtschaftslage - darüber freuen, das Jahr 2022 so glimpflich, mit nur einem Rückgang von 2,5% überstanden zu haben. Der Umsatz liegt mit 1,123 Mrd. Euro noch deutlich über dem Jahr 2019/ 20. Vor zwei Jahren hatte die Corona-Krise Alnatura mit einem Zuwachs von 19,6% erstmals über die Milliardengrenze katapultiert. Mit dem, im Vergleich zur restlichen Fachhandelsbranche, recht moderaten Umsatzeinbuße ist Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn zufrieden, zumal sich die Lage im Einzelhandel seit September wieder stabilisiert habe, die Kunden wieder mehr kaufen: „Der Durchschnittsbon steigt wieder, die Kundenzahlen auch“.

Petra Schäfer (li) und Götz Rehn (Geschäftsleitung) beurteilen den Umsatzrückgang gelassen und mit der Zuversicht, dass im laufenden Geschäftsjahr wieder ein Wachstum zu verzeichnen sein wird.


Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges und Einsetzen der Inflation habe Alnatura nicht unbedingt Kunden verloren, sie hätten nur zu günstigeren Produkten gegriffen, erläutert Rehn einen Grund für den Umsatzrückgang. Allgemein sei zur Preissteigerung noch festzuhalten, dass die Preise für Bio-Lebensmittel insgesamt weit weniger stark gestiegen sind als für konventionelle Lebensmittel. Zudem hat Alnatura einiges dazugetan, die Kunden in Punkto Preis mit Dauertiefpreisen, Sparpreisen, Studi-Rabatt, abzuholen. Das jedoch bei gleichbleibend hoher und möglichst regionaler Qualität, wie Rehn auf der Jahrespressekonferenz am 10.11.2022 in der Firmenzentrale auf dem Alnatura Campus betont. Das sei mit Auszeichnungen wie dem Gesamtsieger Kundenmonitor (Studie Servicebarometer AG), dem Fruchthandel Magazin Award 2022 und Best Brands Award belohnt worden. Mit zusätzlichen neuen Services (Lieferung, Lastenräder, Mehrwegsortiment) und sieben Neueröffnungen bis September 2022 auf gesamt 147 haben die SuperNaturMärkte der Krise getrotzt.

Zufriedene Kunden haben für Alnatura hohe Priorität.


Trotz Umsatzdelle optimistisch in die Zukunft


„Wir sind gut vorbereitet für die nächsten Jahre“, sagt Götz Rehn, er rechnet mit stabilen Preisen und künftig wieder Wachstum. Die Expansion des eigenen Filialnetzes sowie Generalüberholung älterer SuperNaturMärkte sollen auch 2023 unvermindert fortgesetzt werden. Als Herausforderung bezeichnet Rehn jedoch die externen Kosten wie Verpackung, Energie und Logistik, deren Entwicklung durch die unsichere Weltlage unvorhersehbar seien. Teilweise sei auch mit steigenden Rohstoffpreisen zu rechnen. Als schlimm bewertet er den Effekt, dass weniger Bauern den Mut zur Umstellung haben, es womöglich zu Rückumstellungen kommt. Hier vermisse er deutlich das stärkere Engagement der Politik, die schließlich das 30% Bio-Ziel bis 2030 herausgegeben habe. Um dieses Ziel zu erreichen sei deutlich mehr Initiative gefragt, so Rehn. Beispielsweise wünsche er sich eine großangelegte Info-Kampagne, die Verbrauchern aufzeigt, dass sie mit dem Kauf von Bio-Produkten Klimaschutz und Nachhaltigkeit und damit eine lebenswerte Zukunft unterstützen. Petra Schäfer aus dem Geschäftsleitungsteam erklärte zur künftigen Strategie Alnaturas: „Es geht darum, dass wir unseren Weg konsequent weitergehen.“


Für alle Mitarbeiter und Besucher gut sichtbar in der Eingangshalle der Alnatura-Zentrale

„Sinnvoll für Mensch und Erde“


Die Unternehmensmission "Sinnvoll für Mensch und Erde" spiegelt sich in diversen Initiativen des Unternehmens wider, beispielsweise der Alnatura Bio-Bauern Initiative ABBI oder der We-Care-Zertifizierung, die Lieferketten- und Umweltmanagement sowie Mitarbeiterverantwortung prüft. Ausführlich sind weitere Maßnahmen des Unternehmens wie das ganzheitliche Mobilitätsmanagement oder die Wesentlichkeitsmatrix, die die für Alnatura bedeutenden Nachhaltigkeitsthemen beschreibt, im Nachhaltigkeitsbericht festgehalten.

Alnatura Campus in Darmstadt mit seiner klimaeutralen Firmenzentrale, das Zuhause der Alnatura-Arbeitsgemeinschaft.


Außerdem verdient die Gründung der Doppelstiftung "Alnatura Stiftung" und "Götz E. Rehn Stiftung" (Familienstiftung) Beachtung. Der Grundsatz „Sinnvoll für Mensch und Erde“ soll nach Aussage von Gründer Götz Rehn, auch in 100 Jahren noch zutreffend sein. Deshalb habe er sich bei der Suche nach einer Nachfolgeregelung im Sinne der Unternehmensvision für das Doppelstiftungsmodell entschieden. Das Unternehmen soll der Unternehmensvision treu bleiben und nicht verkauft werden. Die gemeinnützige Alnatura-Stiftung wird Eigentümerin der Unternehmensanteile sein und Kunst, Kultur, Wissenschaft, Forschung , Entwicklungshilfe, Umweltschutz und weitere gemeinwohlorientierte Felder fördern. Die Götz E. Rehn Stiftung ist ene Familienstiftung. Sie bündelt die Stimmrechte und stellt den Fortbestand von Alnatura sicher, beschreibt Rehn die Aufteilung.

Wo sieht der Firmengründer Alnatura in Zukunft? "Wir wünschen uns, dass immer mehr Menschen Alnatura Produkte zu günstigen, zugleich fairen Preisen erhalten können. Damit mehr Bio in die Welt gebracht wird und immer mehr Menschen erkennen, dass die biologische Landwirtschaftdie große Chance darstellt, die Klimakrise zu bewältigen," (Götz Rehn im Nachhaltigkeitsbericht)


Autorin/ Fotos: Karin Heinze, BiO Reporter International





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