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Bio-Obst und -Gemüse aus Spanien: Was die Betriebe fordert

BiO Reporter International durfte Vertreter der Regionalgroßhändler und das Team des Bio-Obst- und Gemüseimporteurs Naturkost Schramm nach Südspanien zu 13 Bio-Betrieben und Lieferanten begleiten. Wir haben während der viertägigen Reise viele eindrucksvolle Betriebe und Persönlichkeiten kennengelernt. Die Firmeninhaber, Geschäftsführer, Betriebsleiter oder Vertreter der Abteilungen, beantworteten offen die Fragen zu den Themen, die uns bewegten: Wie geht das Unternehmen mit den Herausforderungen des Klimawandels um, gibt es innovative Ansätze im Anbau, werden nachhaltige Verpackungslösungen berücksichtigt, wie sieht es mit sozialen Fragen und mit dem Thema Nachhaltigkeit aus. Jeder der besuchten Betriebe überraschte mit Besonderheiten, die es wert sind kommuniziert zu werden. Im Artikel sind Eindrücke von den Betrieben in Text, Fotos und einem Video festgehalten.

Die Reisegruppe bei Eurofresh, dem ersten Betrieb auf der Tour.

Lange intensive Zusammenarbeit: Rund 70 % Bio-Ware kommt aus Spanien Die Palette von Obst und Gemüse, das Naturkost Schramm ganzjährig aus Spanien für die Regionalgroßhändler (Die Regionalen) bezieht, ist umfassend und reicht von Avocados bis Zitrusfrüchte. Während der Reise vom 19. bis zum 23. September 2022 sahen wir überwiegend Gurken, Auberginen, Tomaten, Paprika, Chili in unterschiedlichen Kulturstadien in den Folienhäusern. Im Freiland reifen in dieser Jahreszeit Avocados, Mangos, Granatäpfel und alle Arten von Zitrusfrüchten. Insgesamt über 100 Betriebe sind auf der Liste der spanischen Bio-Lieferanten. Durch die langfristige intensive Zusammenarbeit, ist mit rund 40 Betrieben eine besonders enge Beziehung und Kooperation entstanden. Einige besuchte die Gruppe und konnte sich einen ganz persönlichen Eindruck verschaffen, die Erzeuger kennenlernen, die Produkte, mit denen die Großhändler täglich zu tun haben, begutachten sowie die Packstationen live sehen. Die Auswahl für die Gesellschafterreise beinhaltete aber auch neu hinzugekommene Betriebe und spannende, innovative Ansätze bereits bekannter Lieferanten.


Ganzjährig mild und viel Sonne - Wasser ist Mangelware Eine ganze Reihe wichtiger Lieferanten von Naturkost Schramm und damit den Regionalgroßhändlern ist im Süden und Südosten Spaniens angesiedelt. Die Reiseroute ging von Malaga entlang der Südküste von Andalusien über Almeria, in die Provinz Murcia an der südöstlichen Küste bis in die Gegend von Alicante in der Provinz Valencia. Die Region, insbesondere der Küstenstreifen östlich von Malaga über Motril und bis Almeria ist geprägt von vielen Sonnenstunden, milden Temperaturen und sehr geringen Niederschlägen. Das erfordert einen besonders sorgsamen Umgang mit Wasser. In den Bio-Betrieben, die wir besuchten, haben wir unterschiedliche Lösungen des Wassermanagements kennengelernt. Betriebe mit hohem Wasserbedarf in den Plantagen (Avocado, Mango, Zitrus) arbeiten mit Sensoren, die helfen, das Wasser für die Bäume genau zu dosieren. Auch in den Folienhäusern ist alles darauf ausgelegt, Wasser zu sparen. Sparsame Tröpfchenbewässerung ist obligat und nutzt in vielen Fällen Regenwasser, dass in großen Sammelbecken aufgefangen wird. Meist muss zusätzlich Wasser aus der öffentlichen Versorgung zugekauft werden.


Die Wasserfrage

Die Niederschlagsmengen liegen an vielen Stellen an der Südküste, östlich von Malaga bei nur 300-600 mm pro Jahr, Bewässerung ist daher ein großes Thema. Dazu kommen die Auswirkungen der Klimakrise mit steigenden Temperaturen

und tendenziell im Mittel der letzten Jahre, sinkenden Niederschlagsmengen. Besonders

Mango Osten bei Eurofresh

intensiv wurde die Frage nach dem Bedarf an Wasser in den Avocado-und Mango-Plantagen bei EUROFRESH, die einen Wasserbedarf von ca. 1500 l/ ha und pro Tag angeben, und beim Avocado-Spezialisten JALHUCA, diskutiert.

Exkurs - Wasserverbrauch Avocados: Laut verschiedenen Quellen im Internet (https://www.peta.de/themen/avocado-wasserverbrauch oder https://sol-puro.de/mythos-wasser- verbrauch-wieviel-wasser-avocados-wirklich-verbrauchen) brauchen Avocados bis zu 1000 l/ kg, was im Vergleich zu anderen Lebensmitteln pro Kilogramm weniger Wasser ist, als ihnen gemeinhin

Avocado-Anbau auf Dämmen mit Mulch und gegenseitiger Beschattung, Mess-Systemen

und Tröpfchenbewässerung kann den Wasserbedarf minimieren.


nachgesagt wird. Bei pflanzlichen Nahrungsmitteln liegen bspw. Kaffee und Kakao mit 21.000 l/kg und 27.000 l / kg in der Spitzengruppe. Auch heimische Produkte wie Nüsse (5000 l/kg) oder Äpfel (700 l/ kg) lassen sich mit Avocados (1000 l / kg) messen. Tierische Produkte liegen ohnehin sehr hoch: Rindfleisch >15.000 l/ kg, Milchprodukte 5000 l/ kg.


Wassermanagement in den Folienhäusern

In den großen Folienhaus-Anlagen von BIO DOAL, KEOPS, NATURCHARC und ECOSUR informierte sich die Gruppe eingehend über Wasserbedarf und Wassersparmaßnahmen. In allen Betrieben ist die Bewässerung der Kulturen per Tröpfenbewässerung obligat und der Einsatz von gesammeltem Regenwasser sehr wichtig, aber nicht ausreichend. Die Niederschläge werden von den Gewächshausflächen in große, meist offen liegenden Auffangbecken geleitet. Zusätzlich werden die Zisternen entweder von Wasser aus Entsalzungsanlagen vom Meer gespeist oder von Wasservorräten aus weiter entfernten Gebieten (Stauseen in der Sierra Nevada, Sierra Grazalema) und

Junge Kultur von Schlangengurken bei Bio Doal mit Tröpfchenbewässerung

Flüssen. Es gibt auch Tiefbrunnen, der Grundwasserspiegel geht jedoch an vielen Stellen zurück, zusätzliches Problem sind illegale Brunnen.

Große Wasserbecken werden bei Niederschlägen von den Dächern der Gewächshäuser mit Regenwasser gespeist. Hier bei Naturcharc.


Nachhaltigkeit: Der Dreiklang der Nachhaltigkeit - Ökologie - Ökonomie und Soziales - wird insbesondere von den ECOVALIA-zertifizierten SIVISIO Anbauern verfolgt. Dazu gehören ECOSUR, ECOLLEVANT, EUROFRESH, ONLY BIO, NATURCHARC, PROVI AGRICOLA. Die Kriterien für das ECOVALIA-Audit und die SIVISIO-Anforderungen sind sehr hoch, der Zertifizierungsprozess ist sehr umfangreich und intensiv. Beispielsweise werden bei der Kontrolle durch ECOVALIA unangekündigte Interviews mit Mitarbeitern zu diversen Themen durchgeführt und Unterkünfte begutachtet.


Verpackungslösungen: Karton ist nach wie vor das Mittel der Wahl. Mehrwegsysteme wie IFCO- und EPS-Kisten werden bei einigen Firmen eingesetzt. Derzeit machen jedoch der Service, d.h. Säuberung und Entfernung von Klebeetiketten, sowie der Preis, Probleme. Karton ist weiterhin die günstigste Alternative. Die Ummantelung von Ware mit Folie ist für den Fachhandel kaum ein Thema.

Naturcharc setzt zu einem großen Teil auf Mehrwegkisten. Kommt aber auch nicht ganz ohne Kartons aus. Von links: Harald Rinklin (Rinklin), Christian Kaufmann (Naturkost Schramm), Manuel (Naturcharc) und Benny Danzeisen (Rinklin)


Die Plastik-Problematik

Im Anbau hingegen werden großflächig Folien eingesetzt. Mit der laut Hersteller kompostierbaren Folie im Freilandanbau wurden schlechte Erfahrungen gemacht. Die Folien bauen sich nicht vollständig ab, auch nicht nach einem halben Jahr. Die Folienreste werden bei der Bodenbearbeitung weiter verteilt und untergearbeitet bzw.

Freilandanbau ist in manchen Gegenden wegen hohem Wasserverlust ohne Folie unmöglich

vom Wind in weit entfernte Gebiete getragen, auch in Landschaftsschutzgebiete - hier besteht dringender Handlungsbedarf! Zudem fallen Tonnen von Plastik beim Bau und dem Unterhalt der Folienhäuser an. Die Seitenteile halten ca. 10 Jahre, die Dächer müssen alle 3 - 4 Jahre erneuert werden, Bewässerungsschläuche von hoher Qualität sind ebenfalls bis zu 10 Jahren brauchbar, es gibt aber auch minderwertige Tröpfchenbewässerung, die bereits nach einer Saison entsorgt werden muss.


Grppenbild bei Naturcharc

Fazit der TeilnehmerInnen: Wir nehmen beeindruckende Eindrücke mit nach Hause

Jasmin Meyer, in der Abteilung Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit bei Bodan tätig, sah die Reise als „Riesenchance die ganze vorgelagerte Wertschöpfungskette kennenzulernen und mit eigenen Fragestellungen an die Erzeuger heranzutreten.“ In ihrem Fokus standen Fragen zu Nachhaltigkeit, zu Arbeitsbedingungen und Auswirkungen des Klimawandels. Zum Ende der Reise war ihr Fazit: „Es war sehr eindrucksvoll, die Dimensionen und die Bedingungen unserer spanischen Erzeuger sowie die Perspektiven der Betriebe kennenzulernen. Es ist wirklich beachtlich, was die Erzeuger unter diesen nicht einfach klimatischen Bedingungen leisten, um Bio-Produkte für unsere Kunden

Jasmin Meyer bekam beim Zitrus-Erzeuger Provi Agricola viele Antworten zu

den Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens.

bereitzustellen. Beeindruckt war ich von einigen bemerkenswerten speziellen Ansätzen und der individuellen Herangehensweise in der vorgelagerten Lieferkette unter dem Druck des Klimawandels.

Norbert Schick, Grell Einkaufsleiter (rechts), zog ein überaus positives Fazit: „Man kommt nach Spanien mit dem Klischee Plastikmeer, Wassermangel und mit der Frage, kann man hier überhaupt Bio produzieren. Dann stellt man zu seiner Überraschung fest wie viele ambitionierte, engagierte Betriebe es hier gibt, die Bio in jeder Hinsicht weiterentwickeln, sich mit Bodenleben und Pflanzengesundheit, Geschmack beschäftigen und sich den Herausforderungen des Wassermangels und Klimawandels stellen und innovative Konzepte entwickeln, die Antworten und Lösungen in Zusammenarbeit mit Universitäten finden. Wir haben ganz vorbildliche Betriebe gesehen, die bspw. durch den Einsatz von Kompost in der Bodenpflege Humus aufbauen, der CO2 speichert."

Fritz-Alex Bey, Elkershausen, Qualitätssicherung: „Mein Auftrag war, mir ein Bild zu machen. Ich war erstaunt, welche Bandbreite von Ansätzen die Erzeuger hier haben in Bezug auf Leidenschaft, technischem Know-how, wissenschaftlichen Ansätzen, nachhaltigen Konzepten, bäuerlichem Demeter-Anbau, alles war dabei - das hat mich sehr überrascht. Ich nehme viel Detailwissen mit nach Hause, und im Anschluss an diese Reise kann ich für meinen Arbeitsplatz den einen oder anderen Aspekt und Impuls mitnehmen und umsetzen, z.B. mehr Verständnis für die Herkunft und die Produzenten.


Im Bild v.l. Henning Jahn (Nk Elkershausen), Ephron Escher (Nk Erfurt), Juan (Provi Agricola) und Alex Bey (Nk Elkershausen)



Harald Rinklin, Rinklin Naturkost: „Worlmark hat mich tief beeindruckt. Trotz ihrer Größe (1000 ha Betriebsfläche) stehen sie 100% zu ihren ökologischen und nachhaltigen Idealen, überlegen bis ins kleinste Details mit welchen Maßnahmen sie ihren Betrieb und damit die Welt nachhaltiger machen können. Das war nicht nur hier bei Worlmark faszinierend sondern für mich auch die Erkenntnis der letzten Tage, Tief beeindruckt war die Gruppe vom Unternehmen Worlmark

das die Bio-Erzeuger hier hochmotiviert sind ihren positiven Betrag zu leisten. Es tut gut, das zu wissen und eine Freude, das hier vor Ort zu sehen. Das macht uns ja auch als Bio-Branche aus, die Hintergründe und die Menschen hinter den Betrieben zu kennen, was hat der Mensch gedacht, der das angebaut hat. Das zu erfahren macht diese Reise für

mich so wertvoll.“

Elke Röder, Terra Naturkost, betonte, es sei wichtig, dass Einkäufer an der Gesellschafterreise teilnahmen. „Es ist gut, wenn sie die Betriebe kennenlernen, möglichst viel über die Produkte und die Situation erfahren und ein Gefühl dafür bekommen, wo die Betriebe stehen. Als weitere Learnings nannte Elke die Anlage von Avocados auf Dämmen bei EUROFRESH, die guten Ansätze im Umweltschutz und die Kombination mit Insektenzucht bei PROVI AGRICOLA, diese Vorteile sollten noch besser kommuniziert werden. Bei NATURCHARC ist ihr mehr Achtsamkeit beim „Plastikthema“ ein Anliegen. Zu den Highlights zählten für sie die Betriebe von KEOPS mit seinem besonderen Ansatz der Bodenpflege, WORLMARK beim Thema Nachhaltigkeit und BIOLISAN mit der genossenschaftlichen Struktur und dem Projekt „Etagenanbau von alten Sorten“ (Agroforst-Idee).


Authorin: Karin Heinze, BiO Reporter International
















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