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IFOAM Organics Europe Food-Konferenz: Herausfordernde Zeiten für den Biosektor

Klimakrise, Biodiversitätsverlust, die Verarmung der Böden, Pestizide und GVO auf der Seite der Erzeugung, aber auch rückläufige Nachfrage nach Bio und die Besetzung von Nachhaltigkeitsthemen durch Greenwashing machen der europäischen Bio-Branche Sorgen.

Der Umgang mit diesen Herausforderungen war Thema der IFOAM Organics Europe "Organic Food Conference" #ofc2023 in Sansepolcro beim italienischen B-Corp Unternehmen Aboca. Darüberhinaus inspirierten konstruktive Beiträge zu Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber und Panel Diskussionen zu generationenübergreifender Kommunkation für Bio und der neuen EU-Bio-Verordnung das Publikum. Die Zusammenkunft bot neben den spannenden Informationen Raum für den Besuch des beeindruckenden Aboca-Museums und zum Netzwerken.

Das Video gibt einen Eindruck zu den Themen der OFC 2023.


Multiple Herausforderungen für die Bio-Branche

Jan Plagge, IFOAM Organics Europe President zeichnete in seiner Begrüßungsrede ein ernstes Bild der derzeitigen Lage, indem er auf die heftigen Regenfälle und Überflutungen in Italien hinwies und dass im Zuge der Klimakrise derartige Extrem-Wetterlagen immer häufiger auftreten werden. Er betonte in seinen Ausführungen in Panel-Diskussion „Bio in einer sich verändernden Welt“, dass die Bio-Bewegung mit ihrem ganzheitlichen Ansatz viele Lösungen und erprobte Methoden für die drängenden Probleme habe. Es sei jedoch eine große Technologie-Gläubigkeit bei vielen Politikern, Unternehmen und Wissenschaftlern festzustellen, die eher auf Genom-Editing setzten als auf Öko-Züchtung.


Diskussionsrunde, von links: Roberto Pinton, Maria Grazia Mammaccini, Giuseppe Liberatore, Alex Beck, Massimo Mercati.


Herausforderungen der Farm to Fork Strategie

Maria Grazia Mammuccini, Präsidentin des italienischen Bio-Verbandes FederBio stellte in der Panel Diskussion „Die Nachhaltigkeitsherausforderungen der Farm to Fork Strategie“ heraus: „Wir stehen mit der Bio-Branche an einem echten Wendepunkt.“ Jetzt die Weichen für die künftige Entwicklung des Bio-Sektors zu stellen, sei eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe. Sie erfordere eine Strategie und eine konsistente Politik in der EU. Die ursprünglichen Ziele des Green Deal und der Farm2Fork Strategie seien in Gefahr und in der Folge wichtige Forderungen des Bio-Sektors. Als Beispiele nannte sie die Regelungen für Antibiotika, Pestizide und Neue Gentechnik (Deregulierung NGT). Übergänge seien immer ein Prozess und es dürfe nicht vergessen werden, die Landwirte in diesen komplexen Veränderungsprozessen ins Boot zu holen. Ein schnelles Handel sei erforderlich, da wir sonst Kipppunkte erreichen, an denen Boden, Wasser und Klima irreversibel geschädigt werden.


Vorzeigeunternehmen Aboca

Das Unternehmen Aboca, eingebettet in intakte Agrar-und Kulturlandschaft am Rande des Nationalparks Foreste Casentinesi, unweit von Arrezzo (Toskana) trägt seit seiner Gründung 1978 Verantwortung für die Umwelt. Vom ökologischen Anbau der Kräuter, Heilpflanzen, Haltung der Tiere und der Verarbeitung der Produkte, hat das Unternehmen in seiner über 40-jährigen Geschichte, viele Nachhaltigkeitsziele umgesetzt und ist seit 2018 Benefit Corporation und B-Corps zertifiziert. Die beeindruckende Geschichte und die Räumlichkeiten des Naturheilmittel-Herstellers Aboca boten am Firmensitz den inspirierenden Rahmen für die IFOAM Organic Food Conference.

Aboca Gründer Valentino Mercati

Aboca Firmensitz in Sansepolcro

"Das Unternehmen ist Teil eines lebendigen Systems und sollte die Regeln des Systems teilen, so dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein Ausgleich für die externen Effekte der Produktion ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Unternehmens selbst."

Massimo Mercati, CEO Aboca, im Impact Report. Picture on the right side


Christian Felber: Wir brauchen eine auf den Menschen ausgerichtete Ökonomie

"Gemeinwohl-Ökonomie - ein zukunftsfähiges Modell" lautete der Titel des Vortrags von Christian Felber, Schriftsteller, Universitätsdozent und Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie und der Österreichischen Gemeinwohl- Genossenschaft. Seine eindringlichen Worte hinterließen bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck, vor allem als er betonte, dass die derzeitige globale ökologische Krise die Etablierung eines nachhaltigen, sozial verantwortlichen und auf den Menschen ausgerichteten Wirtschaftsmodells erforderlich macht. Ein Modell, in dem Geld nur ein Mittel ist, um das primäre Ziel und den Zweck des Gemeinwohls zu erreichen, ein gutes Leben für alle auf einem gesunden Planeten. Im Mittelpunkt dieses Konzepts steht der Gedanke, dass werteorientierte Unternehmen die Menschenwürde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitbestimmung im Blick haben und sich dafür einsetzen.

In seinem Vortrag auf der Organic Food Conference stellt Christian Felber die Notwendigkeit eines Systemwandels in der Wirtschaft hin zur Gemeinwohl-Ökonomie dar.


Greenwashing bei Nachhaltigkeitsstrategien - Bio muss Vorreiter bleiben

Die gesamte Agrar- und Ernährungswirtschaft versucht auf den Zug der Nachhaltigkeit aufzuspringen. Der Biosektor als Pionier muss Avantgarde bleiben, die Messlatte für Bio-Produkte hochzuhalten und das verbrauchergerecht über alle Generationen hinweg zu kommunizieren. In der Diskussionsrunde "Bio für alle Altersgruppen - Navigieren auf dem aktuellen Markt mit generationsübergreifender Kommunikation", befassten sich Nicoletta Maffini (General Director Mielizia Conapi), Andrea Grimm (Expertin und Dozentin Green Marketing), Sarah Compson (IFOAM Organics Europe Gruppe Verarbeiter u. Soil Association) und Amelie Michalke, Wissenschaftlerin Uni Greifswald, Expertin True Prices) (im Bild von links) mit der Frage, wie Botschaften über Bio und seine Vorteile über den Einsatz verschiedener Medien am besten vermittelt werden können. "Herz und Werte zeigen", die Menschen dort abzuholen, wo sie sind, und Transparenz - wie z. B. der Wahren Kostenrechnung - kann Bio nachhaltige Verbindungen zu den Verbrauchern aufbauen, so die Expertinnen. Viele Verbraucher seien interessiert und sensibilisiert, hier könne eine kreative und ehrliche Kommunikation ansetzen.

Von Links: Nicoletta Maffini (General Director Mielizia Conapi), Andrea Grimm (Expertin und Dozentin Green Marketing), Sarah Compson (IFOAM Organics Europe Gruppe Verarbeiter u. Soil Association) und Amelie Michalke, Uni Greifswald, Expertin True Prices)


Bio-Anbau in einer verschmutzten Welt?

Zum Abschluss der Konferenz befassten sich eine Expertenrunde mit dem wenig erfreulichen Thema der immer weiter zunehmenden globalen Kontamination von Böden, Luft und Wasser durch Giftstoffe aus Pestiziden, synthetischen Düngern und Rückständen aus der konventionellen Landwirtschaft und der Industrie. Moderiert von Marian Blom, Vizepräsidentin IFOAM Organics Europe, gaben Bernhard Speiser, FiBL, Jan Groen, Geschäftsführer, Green Organics und Michel Reynaud, Vorstandsmitglied IFOAM Organics Europe und Vizepräsident Ecocert beunruhigende Einblicke in den Status Quo, aber auch die Möglichkeiten, durch die Offenlegung der Eintragswege und Risikopotenziale, angepasste risikoorientierte Qualitätskontrollen, die ökologische Produktion weiter zu gewährleisten.

Photo: Marian Blom, Jan Groen, Michel Reynaud


Text and pictures Karin Heinze








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