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Dänemark: Spitzenreiter in Bio

  • Autorenbild: BiO ReporterIn
    BiO ReporterIn
  • 2. Okt.
  • 4 Min. Lesezeit

Mit rund 12 % Marktanteil bei Bio-Lebensmitteln nimmt Dänemark weltweit den Spitzenplatz ein. Auf der internationalen Konferenz „Organic Summit 2025“, die vom 18. bis 19. August in Kopenhagen stattfand, wurde die erfolgreiche dänische Bio-Strategie vorgestellt und von Teilnehmern aus 40 Ländern diskutiert. Überreicht wurde am Ende die Organic Charta, die den Weg zur Erreichung von 25 % ökologischer Landwirtschaft und Lebensmittelkonsum in der EU bis 2030 skizziert. (Mit Video-Aufzeichnungen und Interviews vom Summit)


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Typische Szenerie in der Bio-Hauptstadt Kopenhagen. Foto: Karin Heinze


Organic Charta zeigt Weg zu 25 % bis 2030

"Alle wollen mehr Bio, die Konsumenten, der Handel, die Erzeuger und die Politik", resümierte Petter Aagesen, Marketingdirektor und Vorstandsmitglied der Bio-Molkerei Thise im Interview. Das von der EU ausgegebene Ziel, 25 % bis 2030 zu erreichen, sei ambitioniert, aber möglich und sollte definitiv angestrebt werden, waren sich die 450 Teilnehmer aus 40 Staaten sowie die dänischen Bio-Akteure und Veranstalter einig. Rasmus Prehn, ehemaliger Landwirtschaftsminister und seit kurzem Geschäftsführer der Branchenorganisation Organic Denmark, will beispielsweise mit Hilfe seiner politischen Erfahrung und seines Netzwerks alles daransetzen, sowohl die Bio-Produktion als auch den Konsum zu stimulieren. Die 3000 Mitglieder von Organic Denmark umfassen alle Akteure vom Erzeuger bis zum Verbraucher und vertreten deren Interessen im Bio-Sektor.


Watch the video with the speeches of Nicolai Wammen, Financial Minister of the Danish Government, and of Connie Hedegaard, former EU-Commissioner for Climate and interviews with Petter Aagesen, board of Thise Organic Dairy and Richo Boss, CEO of Meny supermarkets.


Schlüsselrolle des staatlichen Bio-Labels

Das überaus bekannte staatliche Bio-Siegel „Red Ø“ wurde bereits vor 35 Jahren, als erstes Bio-Label weltweit, eingeführt. Das Vertrauen der Konsumenten in die staatlich kontrollierte Zertifizierung zahlt sich aus und Organic Denmark will zum Jubiläum noch einmal ordentlich die Werbetrommel für Bio-Produkte rühren. „Wir werden die Bio-Geschichte und die Vorteile der Produkte noch einmal und wieder und wieder erzählen“, erklärt auch Richo Boss, Geschäftsführer der Supermarktkette MENY. Noch längst nicht alle Verbraucher wüssten über alle Vorzüge von Bio-Lebensmitteln Bescheid. Das betonte auch Rasmus Prehn. Die frühere EU-Kommissarin für Klima Connie Hedegaard sagte in ihrer Rede zum Abschluss, das Summit habe bezeigt wie viele Lösungen die Bio-Branche anbiete. Ökolandbau sei ein multifunktionales Werkzeug für die mannigfaltigen Herausforderungen vom Schutz des Klima und des Bodens, der Bewahrung der Biodiversität bis zum Erhalt sauberen Wassers, der Luft und der Umwelt.  


Rasmus Prehn, CEO des Bio-Branchenverbandes Organic Denmark spricht sich für weitere Anstrengungen und mehr Kommunikation zugunsten der Weiterentwicklung des Bio-Marktes aus. Video: Karin Heinze


Bio ist ein Wachstumsmarkt

Woher rührt die Führungsrolle Dänemarks beim Bio-Marktanteil – er liegt fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Bio wächst seit Jahren stärker als der konventionelle Markt, bestätigt Richo Boss, der Geschäftsführer der Supermarktkette MENY, die zur Degrofa-Gruppe gehört. Was machen die Dänen anders und richtig? Früh sind große Handelsunternehmen wie Coop in das Bio-Geschäft eingestiegen, ebenso wie große Produzenten wie z.B. Arla. Heute ist Bio in allen dänischen Handelsformaten vertreten, zudem gehen über 50% der Bio-Ware allein in den deutschen Bio-Markt.


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Beispiel Thise: Die Bio-Molkerei hat noch vor der Einführung des „Red Ø“ ganz klein, aus der Initiative einiger Milchbauern heraus, begonnen. Durch die Partnerschaft mit Coop seit 1995 ist Thise groß geworden. Doch der Einstieg von Coop war für die gesamte jungen Bio-Branche ein Game Changer, erklärt Petter Aagesen, Marketing und Vertrieb bei Thise (Foto: Karin Heinze) sowie Vorstandsmitglied der Genossenschaft (Interview). Heute zählt das Thise-Sortiment bei Coop über 100 Produkte. Aagesen betont, dass die von den Bauern der Genossenschaft getriebene Innovationskraft ausschlaggebend für den Erfolg ist. Eine „Klima-Milch“, eine „Tierwohl-Milch“, die „Käserevolution“ und die Einführung von Skyr auf dem dänischen Markt nennt er als Beispiele.


Das dänische Bio-Modell steht für starke Allianzen und Partnerschaften, so Rasmus Prehn, Organic Denmark. Auch die kontinuierliche Unterstützung durch die Politik sei von großer Bedeutung. Man habe früh das Nachhaltigkeitspotenzial von Bio erkannt. Die Supermarktkette MENY beispielsweise investiert viel in die Kommunikation und in die Präsentation von Bio. Je nach Größe des Marktes haben die 116 Geschäfte 1000 bis 2500 Bio-Produkten in den Regalen und werden besonders beworben. Auch hier spielen Kreativität und eine interessante Sortimentsgestaltung eine wichtige Rolle.


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Richo Boss, Geschäftsführer MENY Supermarkt auf dem Organic Summit. Foto: Karin Heinze


Vorreiterrolle der Außerhausverpflegung

Cateringservice, öffentlichen Küchen und dem Gastronomiesektor kommt eine besondere Bedeutung im dänischen Bio-Sektor zu. Großküchen servieren täglich rund 650.000 Hauptmahlzeiten in Dänemark. Viele öffentlichen Großküchen sind verpflichtet, Bio-Zutaten zu verwenden, in Kopenhagen liegt der Anteil bereits bei über 90 %, insgesamt verfügen etwa 3.500 Küchen über der dreistufigen Bio-Gastro-Label. Kopenhagens Oberbürgermeister Weiss sagte in seiner Eröffnungsrede, dass in der Hauptstadt täglich 110.000 Bio-Essen ausgegeben werden. Die öffentliche Beschaffung für die Außerhausverpflegung sei ein wichtiger Baustein, um den Bio-Sektor weiter in Richtung 25% Ziel nach vorne zu bringen.


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Selbstverständlich war auch die Verpflegung während des Summits bio. Foto: Karin Heinze


Unterstützung aus der Politik

Um eine vermehrte Bio-Nachfrage zu decken und das Ziel 25% zu erreichen, müssen auch in Dänemark mehr landwirtschaftliche Betriebe von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Die Beratung von Landwirten sei gut entwickelt, heißt es vonseiten der zuständigen Behörden, in einem Innovationszentrum für ökologischen Landbau werden neue Methoden im ökologischen Landbau getestet und erforscht. Doch liegt es an jedem einzelnen Landwirt, ob er seine Zukunft als Bio-Bauer sieht. Seit kurzem hilft die Politik nach, indem sie ein Green Transition Programm auf den Weg gebracht hat, durch das zu intensiv genutzte Flächen zugunsten von Biodiversität, Wasserschutz usw. ökologisch rekultiviert werden. Außerdem ist eine CO2-Steuer geplant.


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Die Organic Charta wird am Ende des Summits an Finanzminister Nicolai Wammen übergeben. "Wir brauchen mehr Bio", stellte er fest. Foto Karin Heinze

 
 
 

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