BIOFACH: Die jungen Stimmen waren deutlich hörbar
- BiO ReporterIn

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Die Eindrücke der diesjährigen Biofach wirken nach: All die schönen Begegnungen und tollen Gespräche, die gute Stimmung, die Informationen zu Wachstum und Rekordumsätzen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Umbrüche und Umstrukturierung der Märkte, die Sorge über politische Entscheidungen und fehlende Unterstützung usw. Über allem deutlich hörbar, die Ansichten, Botschaften und mutigen Visionen der Jungen, der nächsten Generation Bio. Sie wurden dem Motto „Growing Tomorrow: Young Voices, Bold Visions!“ gerecht und es entstand im Zusammenspiel der rund 2200 Ausstellenden aus fast 90 Ländern und den knapp 32.000 Besuchenden ein kraftvoller Spirit für eine gemeinsame Zukunft. Mein Resümee enthält auch einige meiner persönlichen Highlights (Videos, Fotos) wie die Eröffnung mit der Rede von Luisa Neubauer oder die Diskussionsrunde des Sustainable Future Lab „Wem gehört Bio“.
Gemeinsame Perspektiven, klare Impulse
Die Biofach 2026 bestätigte ihre Rolle als weltweit führende Plattform, resümiert die NürnbergMesse. Überlegungen zur Öffnung der Messe für Unternehmen ohne Bio-Zertifizierung, die auf der Messe laut wurden, sind offenbar vom Tisch. Die klare Bio-Orientierung bleibt erhalten, so wie es sich die SchirmherrInnen und die Ausstellenden für die Zukunft der Weltleitmesse wünschen.

Deutscher Markt auf Rekordniveau
Die positiven Marktentwicklungen insbesondere in Deutschland, in anderen europäischen Ländern und auch international zeigen, wie resilient und dynamisch die Branche aufgestellt ist. Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bio-Spitzenverbands BÖLW, betonte:„Das zweite Jahr in Folge sorgt Bio für deutliches Wachstum und ist damit Leuchtturm im deutschen Lebensmittelmarkt.“ Trotz Wirtschaftsflaute und Inflation griffen die Verbraucher*innen kräftig bei Bio-Lebensmitteln und -Getränken zu: Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland stieg 2025 um 6,7 Prozent auf 18,23 Milliarden Euro 2024 17,09 Mrd Euro). Die junge “Gen Z” greift zu 90 Prozent zu Bio. Weitere Top-Branchenkennzahl: Die Bio-Branche beschäftigt fast mindestens 388.000 Menschen in der gesamten Bio-Wertschöpfungskette, 45 Prozent der Bio-Herstellungs- und -Handelsunternehmen planen Neueinstellungen.
Mehr zur Marktentwicklung in Deutschland
Es braucht dringend mehr Öko-Umsteller

Die Ökolandbau-Fläche hingegen wuchs nur um 1,1 Prozent, der Bio-Anteil an der gesamten Agrarfläche erreicht 11,7 Prozent; jeder siebte Hof in Deutschland wirtschaftet ökologisch. Das reicht nicht aus, um die steigende Nachfrage zu decken. Sogar bei den gängigsten Feldgemüsearten (Möhren, Zwiebeln) sowie bei Milch, Butter und Fleisch reicht es nicht für die Inlandsversorgung – die Importmengen steigen. Tina Andres mahnte bei
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (Bild links) an, die Bio-Strategie zügig umzusetzen und deutliche Signale an die Höfe und Verarbeiter-Betriebe zu senden. Zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie gehöre das 30-Prozent-Bio-Ziel. Der Minister sprach viel von Sparzwängen und befürwortete sogar die Neuen Gentechniken als Lösung für die Zukunft, was bei den Zuhörern nicht gut ankam.



Märkte und Menschen verbinden
Die Biofach ist weltweit größter Marktplatz für Bio-Produkte in allen Wertschöpfungsstufen. Das passte gut zusammen mit Indien, dem Land des Jahres 2026. Mit über 2,36 Millionen Bio‐Produzentinnen und ‐Produzenten (2023) und 4,5 Millionen Hektar Bio‐Anbau-Fläche ist es globaler Spitzenreiter.
Eine lange Tradition stabiler Handelsbeziehungen im Bio-Bereich kann durch das aktuell geschlossene Handelsabkommen zwischen Deutschland und Indien beflügelt werden. Die knapp 100 Ausstellenden aus Indien zeigten eine große Bandbreite begehrter Bio-Rohstoffe in vielen Verarbeitungsstufen. Im Biofach-Kongress informierte das Land des Jahres über Tradition und Transformation, Marktzugänge, Regulatorik und Marktzahlen sowie Trendthemen und Perspektiven.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Anwesenheit des Abgesandten aus dem indischen Wirtschafts- und Handelsministerium.
In seiner Rede bei der Eröffnungsfeier gab er sich sehr zuversichtlich, dass sich die Handelsbeziehungen zwischen Indien und Deutschland künftig verstärken werden.


Trends bilden Marktdynamik ab
Eine dieses Jahr durch internaitonale Bio-Kompetenz erweiterte Trend-Jury hat zwei übergreifende Bio-Trends ausgelobt: Reframing Organic verdeutlicht, wie die Bio-Branche ihre ursprünglichen Werte bewahrt und gleichzeitig mit zukunftsorientierten Lösungen neue Wege geht, um Relevanz, Vertrauen und Wirkung nachhaltig zu stärken. Perfectly Simple steht für radikale Einfachheit: kurze Zutatenlisten, klare Kommunikation, und hohes Vertrauen.

Dazu waren auf der Basis der Neuheiten vier Produkttrends definiert worden: Colourful by nature, natürliche bunte Vielfalt; Precision meets tradition – die Verbindung von traditioneller Fermentation und neuen Präzisionsverfahren –, Wellbeing in a bottle und Oh my gut! rund um funktionale Gesundheit und Darmwohl.
Strukturwandel und Werteerhalt in der Diskussion
"Wem gehört Bio?" Das Sustainable Future Lab ging dieser Frage In einer 90 minütigen Veranstaltung mit sehr spannenden Gästen nach. Es ging um das Erbe und die Historie der Bio-Branche und im ersten Teil darum, ob "Die Bio-Vision der New School ist nicht mehr so bold wie die der Old School“.
Nora Taleb und Julian Stock vom Good Food Collective moderierten die Runde mit Michelle Calios KoRo-Mitgründerin, Lukas Nossol, Dennree Geschäftsleitung, Philipp Stahr, Mit-Gründer und Geschäftsführer Wholeys, Tillman Schulz, Geschäftsleitung MDS Gruppe u. Bohlsener Mühle sowie Philip Luthard, Nachhaltigkeitsmanager Bohlsener Mühle.
Im zweiten Teil der Diskussion "Wem gehört Bio?" standen zwei weitere Themen im Mittelpunkt: "Sustainable Food is a (s)low Profit Business" – Wo bleibt die Nachhaltigkeit in Krisen, ist Bio eine Investition in die Zukunft? und "Give Ownership – Need Money" zu den Chancen und Herausforderungen, wenn Fremdkapital ins Unternehmen kommt. Sehr offene interessante Statements und Diskussionen in der Runde mit z.T. überraschend tiefen Einblicken, wie gerade die Bio-Nachfolgegeneration denkt und handelt.
Autorin: Karin Heinze, BiO ReporterIN





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