Hommage an einen Visionär
- BiO ReporterIn

- 29. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Apr.
Endlich hatte ich Gelegenheit die Rapunzel Welt, das Besucherzentrum des Naturkost-
Pioniers in Legau, im Allgäu, zu besuchen. Es hat mich tief beeindruckt: Das Konzept, die
Architektur, die Gestaltung der Innenräume und des Außengeländes. Beim Gang durch die
Anlage und das Museum konnte ich nur staunen über das Lebenswerk des Firmengründers
und Visionärs Joseph Wilhelm und seiner Familie. Dabei konnte ich auch Revue passieren
lassen, wie lange ich Rapunzel und seiner Bio-Mission schon verbunden bin. Einige
spannende Aktivitäten habe ich journalistisch begleiten dürfen. "Das einzig Beständige ist die
Veränderung", ein Motto des Unternehmers Joseph Wilhelm wird am Firmensitz erlebbar.

Der Rapunzel Firmensitz in Legau, im Allgäu, war schon immer einen Besuch wert. Denn er
ist viel mehr als Verwaltungsbüros, Herstellungshallen oder Rohstofflager. Joseph Wilhelm war es früh wichtig, seine tiefe Bio-Überzeugung und den Gründungsimpuls, der sich im Motto „Wir machen Bio aus Liebe“ ausdrückt sowie die Geschichten und Themen darum herum sichtbar und auch für „Nicht-Bios“ anschaulich zu machen. Das ist nicht einfach ein cleveres, erfolgreiches Marketingkonzept für die breite Naturkost-Produktpalette des Unternehmens, es ist vielmehr eine Mission, die jetzt im „Gesamtkunstwerk“ Rapunzel Welt zur vollen Blüte gekommen ist. Der Unternehmensgründer hat sich, der Familie und der Marke damit ein Denkmal gesetzt.
Das Kurzvideo vermittelt einen kleinen Eindruck der vielfältigen Möglichkeitem für die Besucher*innen der Rapunzel Welt. Video: Karin Heinze
Offene Türen für alle Interessierten
Rapunzel hat schon immer gerne Besucher empfangen und den Austausch mit Partnern und
Freunden aus aller Welt gepflegt. Die Partner, die die Rohstoffe für das breite Rapunzel-
Sortiment anbauen – von Frühstückscerealien, Nussmusen und Kaffee über Getreide,
italienische Feinkost und Ölen bis zu Schokolade, Trockenfrüchten und Wein – sind in 30
Ländern, auf nahezu allen Kontinenten zu finden und werden regelmäßig nach Legau
eingeladen. Selbstverständlich reist Rapunzel auch zu den Erzeugerbetrieben, kennt die
Situation vor Ort und engagiert sich an vielen Stellen nicht nur unternehmerisch sondern
durch die Rapunzel Eine Welt Bio-Stiftung sowie das Hand-in-Hand-Fairtrade-Programm mit
öko-sozialen Projekten. Auch die Partner aus dem deutschen und europäischen Naturkost-Handel treffen sich gerne im Allgäu zum Austausch und für Weiterbildungen.

Touristisches Highlight der Region
Die Rapunzel Welt sich in den wenigen Jahren zum Besuchermagneten und zum touristischen Highlight entwickelt. Seit der Eröffnung im Oktober 2022 kamen bislang rund 740.000 Besucherinnen und Besucher, auch weit über die Region Allgäu hinaus, nach Legau. Alleine im Jahr 2025 waren es ca. 260.000 Gäste. Die Rapunzel Welt beherbergt auf über 7.500 Quadratmetern eine große Gastronomie, einen Kaffee-Laden, einen Bio-Markt, eine Schau-Kaffeerösterei, ein interaktives Museum zu Bio-Anbau, Böden, Ernährung, sozialen Aspekten, fairem Handel und Gentechnik. Im Außengelände finden sich das Tropenhaus, wo Besucher Kaffee, Kakao und andere tropische Pflanzen sehen können, eine Pilgerherberge und ein riesiger schön gestalteter Spielplatz. Das alles lädt zum Ausflug in die Rapunzel Welt ein. Das große Interesse gibt dem Konzept recht und ist mittlerweile zum Wirtschaftsfaktor für das Unternehmen und die Region geworden.

Darüberhinaus bietet Rapunzel für Mitarbeiter*innen, Endkund*innen und Interessierte schon lange ein buntes Programm an: Kochkurse. Lesungen, Filme, Yoga, Workshops, Kunst und Kultur, Disco, kleine und große Feste. Der Zuspruch ist groß und die ursprünglich dafür vorgesehenen Räume wurden zu klein. Der Neubau bietet reichlich Platz: Seit der Eröffnung wurden 760 öffentliche Veranstaltungen durchgeführt und 1.500 private Veranstaltungen wie Führungen, Tastings und Abendveranstaltungen organisiert.

52 Jahre aktive Bio-Geschichte

Mit Joseph Wilhelm ist ein Unternehmer am Werk, der sein Engagement stetig weiterentwickelt und ausgebaut und im Laufe der über 50jährigen Firmengeschichte viel im In- und Ausland angestoßen hat.
So fing alles an: 1974 gründeten Joseph Wilhelm und Jennifer Vermeulen Rapunzel, weil sie anders leben, sich anders ernähren und die Welt besser machen wollten. Die Familie, die Mitarbeiter*innen und Weggefährt*innen haben den Kultstatus der Marke Rapunzel in der Bio-Branche und darüber hinaus aufgebaut und manifestiert.
Ziel: Gemeinsam mit Bio-Anbauern in aller Welt faire Handelsstrukturen und öko-soziale Systeme geschaffen
Bereits 1976 bereiste Joseph Wilhelm die Türkei als wichtiges Beschaffungsland für Nüsse und Trockenfrüchte, um Bauern zu finden, die bereit waren, ihre Felder „natürlich“ zu bewirtschaften. Daraus entstand später Rapunzel Türkei, dem heute rund 400 Bio-Bauern angehören, die Rohstoffe für wichtige Rapunzel-Produkte wie Nussmuse oder die Schokocreme Samba liefern. Darüber hinaus wurden in den Folgejahren langjährige Partnerschaften, Anbauprojekte und transparente Lieferketten in Afrika, Mittel- und Südamerika aufgebaut, Rohrzucker, Kakao, Kaffee und viele andere Rohstoffe kommen von dort. Rapunzel ist auch in Europa aktiv, Italien ist ein wichtiges Partnerland für Pasta, Feinkost, Reis und Leguminosen aller Art.

Entsprechende Strukturen wurden entwickelt. Die 2022 gegründete Rapunzel Eine Welt Bio-Stiftung bündelt Gelder aus dem Bio-Cent, der Hand-in-Hand-Spende sowie externen Spenden. Den Hauptteil bildet dabei der Bio-Cent: Für jedes verkaufte Rapunzel Produkte wird je ein Cent abgeführt. Rapunzel verpflichtet sich selbst, zusätzlich zu den Fairhandelsprämien, zur Hand-in-Hand-Spende, die sich am Umsatz der von Hand-in-Hand-Partnern bezogenen Rohwaren bemisst. Die Stiftung fördert mit diesen Spenden öko-soziale Projekte weltweit, und auch in der Region.
Das Familienunternehmen
Rapunzel ist zu 100% in Familienhand. Mit Leonhard und Seraphine Wilhelm ist im Februar 2024 die nächste Generation der Familie in die Geschäftsleitung aufgerückt, Joseph Wilhelm hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, bleibt jedoch weiterhin Gesellschafter, er ist beratend und in der Eine Welt Bio-Stiftung aktiv. Als Externe kamen Werner Berlage 2025 und Stefan Schmaus (seit 28 Jahren bei Rapunzel) 2026 zum Geschäftsführungskreis hinzu. Margarethe Epple und Rosalie Dorn haben die Geschäftsführung im März 2026 abgegeben, sind aber im Vorstand der Rapunzel Eine Welt Bio-Stiftung vertreten. Mit Justina Wilhelm, Rosalie Dorn und Meike Bauer gehören weitere Familienmitglieder dem Stiftungsrat an. Margarethe Epple bleibt Geschäftsführerin der Holding der Unternehmensgruppe (Umsatz 2024: 232 Mio. Euro) und der türkischen Tochtergesellschaft.

Spektakuläre Aktionen
Joseph Wilhelm mischt sich ein. Beispiel Gentechnik: Seit über 20 Jahren macht Rapunzel
sich mit spektakulären Aktionen dafür stark. dass Gentechnik nicht auf den Acker und
nicht auf den Teller kommt. Zweimal wanderte Joseph in Begleitung vieler Gentechnik-Gegner öffentlichkeitswirksam quer durch Deutschland und nach Brüssel. Als das Thema Gentechnik in den USA akut war, wurde er auch in Übersee aktiv und organisierte mit
der Unterstützung internationaler Bio-Koryphäen wie Vandana Shiva oder Percy
Schmeiser, den Right2Know March für die Kennzeichnung gentechnisch veränderter
Produkte. Als Bio-Pressebegleitung war ich eine Woche auf dem Protestmarsch mit dabei – ein ganz besonderes Erlebnis, das auch medial für viel Aufmerksamkeit sorgte.

Wieder hochaktuell: Engagement gegen Gentechnik
Mit diversen weiteren Aktionen und Petitionen macht Rapunzel immer wieder auf die
Gefahren der Gentechnik aufmerksam. Aktueller Schauplatz ist das Ansinnen der EU,
der sogenannten Neuen Gentechnik einen Freibrief zu erteilen und diese Technologie
komplett ohne Einschränkungen und ohne Kennzeichnung in Lebensmitteln und in der
freien Natur zuzulassen. Ganz aktuell hat Rapunzel hierzu noch einmal eine Petition
gestartet. rapunzel.de/unser-engagement/gentechnik

Aurorin: .Karin Heinze
Quellen: Besuch vor Ort, Rapunzel.de





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